Vorbereitung

Mit der gründlichen Vorbereitung beginnt die Pilgerreise bereits. Es ist also nicht nur Mühe, sondern kann auch die Wartezeit, bis die Wanderschaft endlich losgeht verkürzen.

Am besten wäre es, wenn Sie sich mindestens ein Jahr lang Zeit für die Vorbereitung lassen. Das wird aber nicht für Jeden funktionieren, denn manch einer wird sehr spontan vom Jakobsweg gerufen, sodass kaum Zeit für eine ausgiebige Vorbereitung bleibt.

Ausrüstung zusammenstellen

Die Ausrüstung und insbesondere ihr Gesamtgewicht trägt stark dazu bei, ob das Pilgervorhaben gelingt, oder ob man wegen Überlastungsproblemen vorzeitig abbrechen muss.

Zwar kann man überflüssiges Gepäck nach Hause oder nach Santiago schicken, aber beide Varianten sind mit relativ hohen Kosten verbunden.

Man kann auch fehlende Ausrüstung in Spanien nachkaufen, aber das dortige Warenangebot entspricht nur teilweise dem deutschen Angebot. Beispielsweise gibt es Funktionsbekleidung in Spanien vorwiegend in kleinen und mittleren Größen. Hirschtalgcreme gibt es in Spanien überhaupt nicht.

Das optimale Rucksackgewicht ohne Wasser und Proviant liegt bei maximal 10% des eigenen Körpergewichts. Das lässt sich für etwas schwerere Menschen relativ leicht bewerkstelligen. Aber zierliche Leichtgewichte schaffen es nur selten, mit diesem Faustformel-Gewicht auszukommen. Zwar sind ihre Kleidungsstücke kleiner und leichter, aber Kosmetikartikel, Pilgerführer und ähnliche Ausrüstungsgegenstände wiegen unabhängig vom Körpergewicht.

Wie man mit leichtem Gepäck auskommt, kann man von Ultra-Light-Treckern lernen. Bei den Buchtipps am Ende dieses Buches findet man Hinweise für geeignete Bücher zu diesem Thema.

Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände, auch in Hinblick auf ihr Gewicht, sind: Rucksack, Schlafsack und Schuhe.

Die richtige Auswahl dieser schweren Ausrüstungsgegenstände entscheidet maßgeblich über das spätere Gesamtgewicht des Gepäcks. Ihr Gewicht spielt daher eine sehr wichtige, aber nicht die einzige Rolle. Wegen der großen Bedeutung für den Erfolg der Pilgerreise gibt es extra Kapitel zum Thema Schuhe und Rucksack.

Die Auswahl des Schlafsacks ist vergleichsweise einfach. Er sollte möglichst leicht sein, warm genug für Übernachtungen in Herbergen und für den Pilger bezahlbar.

Als Bekleidung eignet sich moderne Funktionsbekleidung aus Synthetik, die nicht nur leicht ist, sondern auch schnell trocknet, was es erlaubt, sie nach dem Wandern von Hand zu waschen und oft schon abends wieder einpacken zu können. Auch beim Gehen ist Funktionsbekleidung sehr nützlich, weil sie die Feuchtigkeit durch das Schwitzen nach außen transportiert, sodass man nicht so leicht durchschwitzt.

Bis man seine gesamte Ausrüstung zusammen hat und den Rucksack immer wieder soweit ausgemistet hat, dass er leicht genug ist, kann geraume Zeit vergehen.

In der Endphase empfiehlt sich folgende Vorgehensweise: Verteilen Sie Ihre gewünschte Ausrüstung in drei Haufen: Notwendig, wichtig und Luxusgegenstände. Packen Sie die Ausrüstung vom ersten Haufen in ihren Rucksack und lassen Sie die beiden anderen Haufen zuhause.

Wenn der Rucksack dann immer noch zu schwer ist, gehen Sie folgendermaßen vor: Nehmen Sie sich jedes Teil einzeln vor, wiegen Sie es mit der Küchenwaage, und fragen Sie sich dann, was schlimmstenfalls passieren könnte, wenn Sie das Teil nicht dabei hätten. Diese Frage kann bei der Entscheidung mithelfen, was man einpackt und was man aussortiert.

Wander-Training

Das Wander-Training halte ich für besonders wichtig.

Es dient nicht nur dazu, herauszufinden, wie fit man ist, und welche Etappenlängen man sich zutrauen kann, sondern auch dazu, den Körper auf das tägliche Gehen vorzubereiten.

Grob gesagt, gewöhnt sich der Körper innerhalb von zwei Monaten an eine neue Belastung.

Das heißt, wenn man spätestens zwei Monate vor der Pilgerreise beginnt, regelmäßig zu wandern, hat der Körper ausreichend Zeit, um sich auf die kommenden Belastungen einzustellen. Dabei geht es einerseits um die Kondition, also das Herz-Kreislaufsystem, aber auch um die Muskeln, die Sehnen und die Haut der Füße. Sogar die Knochen stellen sich auf die erhöhte Belastung ein und werden dichter.

In der Trainingsphase kann man außerdem herausfinden, wo die persönlichen Schwächen liegen, und sich speziell darauf besonders gut vorbereiten, bzw. spezielle Hilfsmittel mitnehmen, z.B. Kniebandagen bei Knieproblemen oder besonders viel Hirschtalgcreme bei häufigen Blasen.

Regelmäßige Trainingswanderungen ersparen einem viele Probleme, die während der Pilgerschaft auftreten können, denn man durchlebt die Probleme dann schon im Vorfeld und kann sie von zuhause aus effektiver behandeln als unterwegs. Wenn es dann ernst wird mit der Pilgerreise hat man einen großen Teil der Probleme schon hinter sich gelassen und kennt sich außerdem mit seinen persönlichen Schwächen soweit aus, dass man ihre Folgen weitgehend verhindern kann.

Ich empfehle mindestens zwei wöchentliche Trainings-Wanderungen so lange, wie man vor der Pilgerreise Zeit hat.

Zuerst sollte man jedes Mal so weit wandern, wie man problemlos wandern kann. Das heißt beispielsweise anfangs nur 8 km bei jeder Wanderung. Nach und nach kann man die Strecken verlängern, bis man schließlich bei über 20 km pro Wanderung angekommen ist.

Sobald man eine gewisse Wander-Routine erreicht hat, sollte man mit vollgepacktem Rucksack wandern, um sich und den Rücken an das Rucksackgewicht zu gewöhnen. In dieser Phase kann man auch die Erfahrung machen, ob man mit dem Rucksackgewicht klar kommt, oder ob man den Rucksack noch leichter packen sollte.

Besonders günstig ist es, wenn man gegen Ende der Trainingsphase schon eine oder mehrere mehrtägige Wanderungen durchführen kann. Dazu eignen sich besonders heimische Etappen des Jakobweges. Fast überall in Deutschland führt eine Route des Jakobweges vorbei. Es macht sehr viel Freude, schon einmal dem Muschelsymbol zu folgen und sich auf dem Jakobsweg zu fühlen. Wer besonders viel Glück hat, dass die lokale Jakobsweg-Strecke direkt beim Zuhause vorbei führt, kann trotz mehrtägiger Wanderung sogar zuhause übernachten. Allerdings kann es auch beglückend sein, unterwegs schon einmal in einer Herberge oder einer Pension zu übernachten. So wird die Vorbeitungszeit zu einem Erlebnis für sich. Eventuell entsteht sogar der Wunsch, ein ander Mal von zuhause los zu laufen.

Fußhaut abhärten

Die Fußsohlen sind beim Gehen besonders gefordert. Sehr häufig reagiert die Haut der Füße anfangs oder auch langfristig mit Blasenbildung.

Mit den regelmäßigen Trainings-Wanderungen (siehe oben) kann man die Fußhaut an die kommende Belastung gewöhnen.

Außerdem kann man die Füße schon Wochen vorher täglich mit Hirschtalgcreme einreiben. Das soll die Fußhaut stärken, sodass sie robuster gegen Blasenbildung wird.

Weil es hierbei häufig zu Missverständnissen kommt, will ich an dieser Stelle einiges klarstellen.

Bei der vorbereitenden Einreibung der Füße geht es nicht darum, dass die Füße besonders weich oder gar streichelzart werden.

Die Füße sollen von den Einreibungen robust und widerstandsfähig werden, alles andere als zart.

Zwar sollen Verhärtungen, raue Stellen und Hornhautbereiche durch die Vorbereitung verschwinden. Dazu kann man auch einmal zur Fußpflege gehen, allerdings mit dem Hinweis, dass man eine längere Wanderung plant. Die Füße fühlen sich durch die Vorbereitung also sehr angenehm an, aber nicht weich. Eine zarte und weiche Haut würde die Blasen aber gleichsam magisch anziehen.

Daher eignen sich die meisten Fußcremes nicht zur Vorbereitung der Pilgerreise. Insbesondere Urea-Cremes sind ungeeignet, weil sie die Füße zwar wunderbar weich, aber besonders empfindlich für Blasen machen.

Eine herausragende Rolle spielt für die Stärkung der Fußsohlen die Hirschtalgcreme. Der Hirschtalg verstärkt die Haut so, dass man häufig von einer zweiten Haut spricht. Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Hirschtalgcreme, sie enthalten mehr oder weniger viel Hirschtalg. Einige sind wasserhaltige Cremes mit Schwerpunkt auf die Pflegewirkung andere sind wasserfreie Salben, die vor allem die Fußsohle glätten und für den aktuellen Sporteinsatz vorgesehen sind.

Für die Vorbereitung ist besonders die Hirschtalgcreme von Scholl sehr beliebt und gut geeignet. Für den späteren Wandereinsatz ist die gleiche Creme eher zu wasserreich, sie reibt sich beim Gehen zu schnell ab und muss ständig erneuert werden. Menschen mit geringer Blasenneigung kommen aber auch unterwegs mit dieser Creme klar, ohne Blasen zu bekommen.

Weil man auf der Pilgertour jede Menge Fußcreme braucht, zumindest wenn man zu Blasen neigt, gibt es unter Hirschtalgcreme selbstgemacht eine Beschreibung, wie man sich eine Fußcreme unterwegs selbst machen kann, mithilfe von Vaseline, die man vor Ort kaufen kann.

Kurze Vorbereitungszeit

Doch wie kann man sich ausreichend vorbereiten, wenn man sich sehr kurzfristig entscheidet, den Jakobsweg zu gehen?

Eine kurze Vorbereitungszeit hat zweifellos Nachteile.

Der Körper kann sich nicht mehr im Vorfeld in Ruhe auf die lange Gehstrecke einstellen.

Je nachdem, wie kurzfristig man startet, kann/sollte man so viele Wanderungen wie möglich vor der Abreise unternehmen.

Den Rest der Vorbereitungsphase kann man dann notgedrungen unterwegs erledigen. Das bedeutet, dass man anfangs möglichst kleine Etappen gehen sollte, damit sich der Körper akklimatisieren kann.

Wenn man ohne Vorbereitung lange Etappen geht, z.B. unvorbereitet von Saint Jean Pied de Port nach Roncesvalles in einem Rutsch, kann das zu so heftigen Problemen führen, dass man die Pilgerreise abbrechen muss, bevor sie richtig begonnen hat. Daher ist es besser, die genannte Etappe in Orisson zu unterbrechen und auf zwei Tage zu verteilen. Auch die nachfolgenden Etappen sollte man bei geringer Vorbereitungszeit eher kurz halten, bis man sich an das regelmäßige Gehen gewöhnt hat.











































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