Ermüdungsbruch

Ein Kochenbruch durch Überlastung kommt öfter vor als man denkt, aber er gehört dennoch nicht zu den häufigen Problemen beim Pilgern.

Solch ein Ermüdungsbruch verläuft jedoch normalerweise nicht wie ein klassischer Knochenbruch durch Unfall. Es gibt also keinen plötzlichen Schlag, nach dem der betroffene Knochen nicht mehr benutzt werden kann.

Stattdessen schmerzt der betroffene Körperteil immer mehr, vor allem unter Belastung. Wegen der Schmerzen ist Weitergehen manchmal nicht mehr möglich, aber ansonsten erinnert kaum etwas an einen typischen Knochenbruch.

Selbst durch eine Röntgenaufnahme kann man einen Ermüdungsbruch oft nicht eindeutig erkennen, weil es keine ausgeprägte deutliche Bruchstelle gibt. Erst nach dem Abheilen kann man die ehemaligen Bruchstellen im Röntgenbild deutlich sehen. Eine sichere Diagnose eines bestehenden Ermüdungsbruchs kann mithilfe einer Computertomographie, einer Magnetresonanztomographie oder einer Skelettszintigraphie erfolgen. Das sind aber Diagnosemethoden, die nicht in jeder Kleinstadt zur Verfügung stehen.

Bei einem Ermüdungsbruch wird der Knochen hingegen an vielen Stellen mürbe und bricht an vielen Stellen ein wenig. Die Grundstruktur des Knochens bleibt also weitgehend erhalten. Dennoch kann man den Knochen nicht mehr belasten ohne ihn weiter zu schädigen. Auch sind Schmerzen mit dem brüchigen Knochen verbunden.

Wegen der schwierigen Diagnostizierbarkeit bleibt ein Ermüdungsbruch oft unerkannt. Auf der anderen Seite wird aber manchmal auch vorschnell ein Ermüdungsbruch diagnostiziert, wenn Fuß oder Schienbein stark schmerzen.

Schmerzen im Fuß oder am Schienbein sind aber meistens noch lange keine Ermüdungsbrüche, sondern normalerweise feine Risse in verspannten Muskeln oder Reizungen und Entzündungen der Sehnen. Manchmal kommt es auch zu Knochenhautentzündungen, aber nicht so häufig, wie sie diagnostiziert werden.

Dauerbelastung oder Osteoporose als Ursache

Beim Pilgern kann ein Ermüdungsbruch zwei verschiedene Arten der Ursache haben.

Bei einer sogenannten Stressfraktur wird ein gesunder Knochen durch extreme Überlastung so sehr geschwächt, dass er bricht.

Bei Osteoporose (=Knochenschwund) kann es jedoch auch schon bei moderater Überlastung zu einem Ermüdungsbruch kommen. Von diesem Problem sind potentiell zahlreiche Pilger betroffen, denn viele Pilger sind älter als 50 und haben daher ein relativ hohes Osteoporose-Risiko. Vorwiegend Frauen nach der Menopause leiden häufig unter Osteoporose oder der Vorform Osteopenie. Daher wäre es sinnvoll, vor der Pilgerwanderung ärztlich abklären zu lassen, ob die Knochendichte ausreichend ist. Falls nicht, sollte man die Osteoporose behandeln, bevor man zur Pilgerwanderung aufbricht.

Bei bekannter Osteoporose sollte man sich keine zu langen Etappen vornehmen und bei andauernden Schmerzen sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen.

Bei langen Pilgerwanderungen kommt es im Fall eines Ermüdungsbruches am häufigsten zur Marschfraktur oder zum Shin Splint.

Marschfraktur

Eine Marschfraktur ist ein Ermüdungsbruch im Mittelfußknochen.

Bei dieser Art von Bruch kommt es zu allmählich stärker werdenden Schmerzen im Bereich des Vorderfußes. Die Schmerzen ähneln den Beschwerden, die durch Spreizfüße entstehen.

Auch wenn man von oben auf Mittel- oder Vorderfuß drückt, schmerzt es.

Anfangs treten die Schmerzen nur beim Gehen auf, später auch in den Ruhepausen. In seltenen Fällen treten die Schmerzen im Fuß auch erst nach der Heimkehr von der Pilgerwanderung auf.

Manchmal schwillt der betroffene Bereich auch an.

Fehlstellungen des Fußes, wie Plattfüße, Knickfüße und Spreizfüße, können die Entstehung einer Marschfraktur begünstigen. Auch ein hohes Körpergewicht, Untergewicht und mangelndes Vorbereitungstraining fördert die Entstehung einer Marschfraktur.

Shin Splint

Der Begriff "Shin Splint" wird für allerlei Probleme im Bereich der Schienbeine verwendet. Meistens wird mit diesem Namen eine schmerzhafte Muskelverhärtung des Schienbeinmuskels bezeichnet.

Seinen Ursprung hat der Name "Shin Splint" jedoch vom Ermüdungsbruch der Schienbeinknochen, der bei Leistungssportlern, z.B. Balletttänzerinnen relativ häufig vorkommt.

Beim Pilgern ist ein Ermüdungsbruch des Schienbeins quasi die letzte Stufe der Schienbeinprobleme.

Bevor der Knochen bricht, hat man normalerweise zunächst Schmerzen durch verspannte Muskeln, Dauerkrämpfe der Muskeln, Muskelfaserrisse, Feine Risse in den Sehnen, entzündliche Vorgänge in den Sehnen, Knochenhautentzündung an der Ansatzstelle der Sehnen.

Wenn man über all diese schmerzhaften Beschwerden hinweggeht und trotzdem weiter marschiert, kann es zusätzlich zu einem Ermüdungsbruch des Schienbeins kommen.

Daher ist es wichtig, auch bei moderaten Beschwerden auf seinen Körper zu hören und ausreichend Pausen und Ruhetage einzulegen.

Bei Menschen mit Osteoporose kann es auch in einem relativ frühen Stadium der Beschwerden schon zu einem Ermüdungsbruch kommen. Daher ist hier erhöhte Aufmerksamkeit angesagt.

Behandlung eines Ermüdungsbruches

Einen Ermüdungsbruch kann man nur durch einen Abbruch der Pilgerwanderung behandeln.

In leichten Fällen reicht es, nicht weiter zu gehen und das betroffene Bein ruhig zu halten, also liegen und Bein hochlagern. Diese Ruhephase muss mindestens 6 Wochen andauern. Häufig dauert es länger, bis der Ermüdungsbruch ausgeheilt ist.

In schwereren Fällen muss zusätzlich ein Gipsverband angelegt werden.











































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